Hintergrund

Im November vor 300 Jahren, am 18.11.1720 verlegte Kurfürst Carl Philipp per Dekret seine Residenz endgültig von Heidelberg nach Mannheim. Die alte Hauptstadt Heidelberg war dem Kurfürsten wegen konfessioneller Streitigkeiten und der unkomfortablen Wohnsituation im zerstörten Heidelberger Schloss leidig geworden. Mannheim verwandelte sich durch den Umzug nicht nur plötzlich in ein neues politisches Zentrum und in eine riesige Baustelle für das neue Schloss, sondern erhielt auch schlagartig ein
Kulturleben von europäischem Rang.
Der bedeutende Opernkomponist und kurfürstliche Kapellmeister Jakob Greber gehörte ebenso zu Carl Philipps Hofmusik wie der angesehene Flötist Martin Friedrich Cannabich, Vater von Mozart-Freund Christian Cannabich. Desgleichen Johann Sigismund Weiss, Konzertmeister, hochgeschätzter Lautenvirtuose und „über diß ein vortrefflicher Gambist und Violinist und Componist“.

Auch der Gambenvirtuose Gottfried Finger, kurfürstlicher Kammerrat und Konzertmeister der Hofkapelle, hatte bereits eine erfolgreiche internationale Karriere hinter sich als er 1706 in Breslau in Carl Philipps Dienste trat: Neben Anstellungen am Hof des Fürstbischoff von Olmütz, des englischen König Jakob II. und am preußischen Königshof in Berlin war Finger in den 1690er Jahren eine hochgeschätzte Persönlichkeit des freien Londoner Musiklebens
und hatte als Komponist beachtlichen Erfolg. Leider sind viele seiner Bühnenmusiken und Opern verschollen. Erhalten sind dagegen zahlreiche Instrumentalwerke, in denen die Viola da Gamba oft eine hervorragende Rolle spielt, außerdem viele Werke für Blockflöte und Geige. Stilistisch spiegeln sich in Fingers Musik die verschiedenen Stationen seiner Biographie: mährische, italienische, süddeutsche, französische, englische Einflüsse - Biber, Schmelzer, Jenkins, Corelli, Couperin, Händel: Fingers Musik ist eine Synthese verschiedener Zutaten aus ganz Europa, sinnlich und kontrapunktisch, abwechslungsreich und hochexpressiv – kurpfälzer Barockmusik!