22 November 2020 19:00Uhr


Traversflöte & b.c.

Lorenzo Gabriele, Matthias Bergmann, Alexander v.Heißen


LIVE STREAM aus der Johanniskirche, Mannheim

Barockmusik der Heidelberger/Mannheimer Hofkapelle um 1720 und ihr Kontext. Werke von Weiss, Cannabich, Pepusch,  Telemann.


Matthias Bergmann studierte in München, Lübeck und Frankfurt modernes und historisches Violoncello sowie Viola da Gamba in Frankfurt, Bremen und Basel, u.a. bei Hille Perl und Paolo Pandolfo.

Er lebt in Mannheim und ist Solocellist im Orchester des Pfalztheater Kaiserslautern. Daneben arbeitet er regelmäßig mit einer Reihe weiterer Orchester, Opernhäuser und Ensembles zusammen, darunter Konzerthausorchester Berlin, Freiburger Barock Consort, Staatsoper Stuttgart, il Gusto Barocco Stuttgart, Nationaltheater Mannheim. Er konzertiert als Cellist und Gambist bei diversen Festivals, darunter Bachfest Leipzig, Musikfest Stuttgart, Heinrich Schütz Musikfest und Schwetzinger SWR Festspiele, und wirkte bei zahlreichen Rundfunkproduktionen mit.

Der in Rom geborene Flötist Lorenzo Gabriele studierte Querflöte in L'Aquila, Italien, sowie Barocke, Klassische und Romantische Traversflöte  in Frankfurt am Main. Er ist 1. Preisträger des 8. Internationalen Telemann-Wettbewerbs und von verschiedenen anderen, vor allem mit dem von ihm gegründeten Ensemble Il Quadro Animato. Er widmet sich seit Jahren der sogenannten Historischen Interpretationspraxis und musiziert mit diversen Ensembles und Orchestern (u.a. Freiburger Barockorchester, Collegio Ghislieri, Elbipolis) zusammen, wobei Kammermusik aus dem 18. und 19. Jahrhundert seine größte Liebe bleibt. 

Eine rege Konzerttätigkeit in Europa und die Leidenschaft für die historische und musikalische Forschung runden sein professionelles Profil ab.

Alexander von Heißen (*1995) begann 2009 an Dr. Hoch’s Konservatorium in der Cembaloklasse von Diez Eichler und studiert seit 2014 Cembalo bei Prof. Eva Maria Pollerus an der HfMDK Frankfurt.

2018 gewann er den 2. Preis beim internationalen Cembalowettbewerb "Musica Antiqua" in Brügge sowie den Sonderpreis des Leipziger Barockorchesters beim XXI. internationalen Bach-Wettbewerb-Leipzig. Mit seinem Ensemble 4 Times Baroque hat er den Echo-Nachfolgepreis Opus Klassik als Nachwuchskünstler des Jahres 2018 in Empfang genommen.

Für zahlreiche Opernproduktionen wurde er von der Oper Frankfurt, dem Stadttheater Gießen und den Händelfestspielen in Halle engagiert.
Seit 2019 ist er Lehrbeauftragter an der Musikhochschule in Köln.
Mit dem Ensemble „4 Times Baroque“ veröffentlichte er 2018 seine erste CD bei Sony Classical.


Programm


Johann Christoph Pepusch (1667 – 1752)

Triosonate in e für Violine, Viola da Gamba und b.c.:  Adagio – Allegro – Adagio – Allegro


Johann Sigismund Weiss (1690 – 1737)

Solo Traverso in G: Andante – Allegro – Adagio - Allegro


Martin Friedrich Cannabich (1690 – 1773)

Sonate op 1 Nr.2 in h: Adagio - Allegro – Largo – Presto


Georg Philipp Telemann (1681 – 1767)

Triosonate in a, TWV42:a7: Andante – Allegro – Adagio - Allegro



Der aus Berlin stammende Johann Christoph Pepusch (1667-1752) gehörte ab 1703 der freien Musikszene Londons an, in der sich um 1700 auch einige spätere Mitglieder von Carl Philipps Hofkapelle aufhielten, darunter Gottfried Finger und Jakob Greber.

Mit Greber verbindet Pepusch auch die berühmte Mezzosopranistin Margherita de L‘Épine, eine der bestbezahlten Sängerinnen im damaligen London, für die auch Händel mehrere Rollen schrieb: Sie kam 1703 als Geliebte Grebers mit diesem nach London, heiratete später allerdings Pepusch.

Die Beggar´s Opera ist wahrscheinlich Pepuschs berühmtestes Werk. Auch seine Kammermusiken sind äußerst reizvoll, wie die Triosonate in e-moll für Traverso, Viola da Gamba und continuo beweist.


Johann Sigismund Weiss (1690-1737) stand schon in Diensten von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz in Düsseldorf. Dessen Nachfolger Carl Philipp übernahm Weiss als Konzertmeister in seine Hofkapelle und brachte ihn so zunächst nach Heidelberg und später nach Mannheim. Johann Sigismund Weiss galt - wie sein noch berühmterer Bruder Sylvius Leopold - als hervorragender Lautenvirtuose und soll „über diß ein vortrefflicher Gambist und Violinist und Componist“ gewesen sein. Er komponierte auch für Oboe und Traversflöte. Seiner Musik ist deutlich der Einfluss Händels anzumerken, der mehrmals am Düsseldorfer Hof zu Gast war. Tatsächlich ähnelt sich der Stil beider Komponisten so sehr, dass viele Werke Händels früher Weiss zugeschrieben wurden und umgekehrt.


Auch der gleichaltrige Martin Friedrich Cannabich (um 1690-1773) gehörte schon als junger Mann zur Düsseldorfer Hofkapelle Jan Wellems, bevor er mit Carl Philipp nach Heidelberg und Mannheim kam. Cannabich, der teilweise auch Matthias Franciscus genannt wurde, trat vor allem als Oboist und Flötist, sowie als Flötenlehrer des Kurfürsten und als Komponist in Erscheinung. Sein op.1 - sein einziges gedrucktes Werk - ist der Traversflöte gewidmet und erschien 1741 in Paris.

Sein Sohn Christian Cannabich, der dem jungen Mozart herzlich verbunden war, sollte später als Konzert- und Kapellmeister unter Kurfürst Carl Theodor eine der prägendsten Figuren der Mannheimer Schule werden.


Auf erheblich mehr gedruckte Werke als Cannabich brachte es Georg Philipp Telemann (1681-1767), einer der erfolgreichsten und produktivsten Barockkomponisten überhaupt. Telemann komponierte für jede erdenkliche Besetzung in allen möglichen Genres, seine Musik ist dabei immer originell, intelligent und unterhaltsam. Gleichzeitig war Telemann neben den alltäglichen Aufgaben, die seine jeweiligen Anstellungen mit sich brachten, als Verleger aktiv und stand in ständiger Verbindung zu den großen Musikzentren Europas. Auch ein Treffen Telemanns mit Mannheims Konzertmeister Gottfried Finger ist belegt.

Zum Zeitpunkt des Umzugs 1720 war Telemann Städtischer Musikdirektor und Kapellmeister zweier Kirchen im nahe gelegen Frankfurt. Das Manuskript der sehr effektvollen Triosonate in a-moll für Traversflöte, Viola da Gamba und Cembalo fand sich ebenfalls nur unweit der Kurpfalz: in Darmstadt.


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