14 November 2020 18:00Uhr


Viola da Gamba & b.c.

Matthias Bergmann, Michael Spengler, Sabine Bauer

LIVE STREAM aus St.Anna, Heidelberg

Barockmusik der Heidelberger/Mannheimer Hofkapelle um 1720 und ihr Kontext. Werke von Finger, Biber, Corelli, Marais


Michael Spengler - Viola da Gamba - lebt als freischaffender Musiker bei Weinheim. Er studierte an der Hochschule für Musik in Freiburg bei Ekkehard Weber. Michael Spengler ist Mitglied verschiedener Ensembles für Alte Musik, u.a. dem Freiburger Barockconsort, I Ciarlatani Heidelberg, konzertiert/e im Barockorchester (Freiburger Barockorchester; L‘arpa festante) und mit solistischen Programmen.

Er wirkte bei zahlreichen Radio- und CD-Aufnahmen mit.


Sabine Bauer ist von Anbeginn Mitglied der Ensembles "Camerata Köln" und "La Stagione Frankfurt" und wirkte bei Konzerten im gesamten europäischen Raum sowie in Nord- und Südamerika mit. Mit beiden Ensembles entstanden zahlreiche CD- Produktionen.

Solistisch ist sie unter anderem mit den CD- Einspielungen der Cembalokonzerte von G. M. Monn, C. Fr. Abel und Georg Benda sowie den Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach zu hören. Konzerte und Aufnahmen auch mit "Musica Antiqua Köln". Mit dem Baßbariton Gotthold Schwarz pflegt sie als Cembalistin und Hammerflügelspielerin das Liedrepertoire der Klassik und frühen Romantik. Sabine Bauer ist Dozentin für Cembalo, Kammermusik und Generalbaß an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/M. und an der Akademie für Tonkunst Darmstadt.


Programm


Gottfried Finger (um 1660 - 1730) 

Prelude aus Sonata in d nach Sonatine 1 aus XII Sonatinae Violino solo von Ignazio Albertini 

Sonata Quarta in d  Adagio - Allegro – Adagio – Allegro - Adagio

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704)

Rosenkranzsonate 4: Darstellung Jesu im Tempel: Ciacona


Marin Marais (1656 – 1728)

Prelude in g aus Pieces de Viole I 

Gottfried Finger (um 1660 - 1730)

Divisions in g über Lullys Scocca Pur 


Arcangelo Corelli (1653 - 1713)

Sonate op. 5 Nr. 6, zeitgenössische Transkription für Viola da Gamba und b.c.

Grave – Allegro – Allegro – Adagio – Allegro 


Gottfried Finger (um 1660 - 1730)

Sonata Seconda in D

Matthias Bergmann studierte in München, Lübeck und Frankfurt modernes und historisches Violoncello sowie Viola da Gamba in Frankfurt, Bremen und Basel, u.a. bei Hille Perl und Paolo Pandolfo.

Er lebt in Mannheim und ist Solocellist im Orchester des Pfalztheater Kaiserslautern. Daneben arbeitet er regelmäßig mit einer Reihe weiterer Orchester, Opernhäuser und Ensembles zusammen, darunter Konzerthausorchester Berlin, Freiburger Barock Consort, Staatsoper Stuttgart, il Gusto Barocco Stuttgart, Nationaltheater Mannheim. Er konzertiert als Cellist und Gambist bei diversen Festivals, darunter Bachfest Leipzig, Musikfest Stuttgart, Heinrich Schütz Musikfest und Schwetzinger SWR Festspiele, und wirkte bei zahlreichen Rundfunkproduktionen mit.

Der bedeutende Gambenvirtuose Gottfried Finger (um 1660-1730), kurfürstlicher Kammerrat und Konzertmeister der Heidelberger/Mannheimer Hofkapelle, hatte bereits eine erfolgreiche internationale Karriere hinter sich als er 1706 in Breslau in Carl Philipps Dienste trat: Neben Anstellungen am Hof des Fürstbischoff von Olmütz, des englischen König Jakob II. und am preußischen Königshof in Berlin war Finger in den 1690er Jahren eine hochgeschätzte Persönlichkeit des freien Londoner Musiklebens und hatte als Komponist beachtlichen Erfolg. Leider sind viele seiner Bühnenmusiken und Opern verschollen. Erhalten sind dagegen zahlreiche Instrumentalwerke, in denen die Viola da Gamba oft eine hervorragende Rolle spielt, daneben auch viele Werke für Blockflöte und Geige. Stilistisch spiegeln sich in Fingers Musik die verschiedenen Stationen seiner Biographie: mährische, italienische, süddeutsche, französische, englische Einflüsse.


Wie in seiner Heimat (und natürlich auch an anderen Orten Europas) üblich, spielte Finger auch Geigenmusik auf der Gambe, wie ein Autograph einer transkribierten Violinsonate von Ignazio Albertini beweist. Lediglich das Prelude scheint nicht von Albertini sondern ist vermutlich eine Komposition Fingers. Die Sonata Quarta in italienischem Stil ist vielleicht eines der feinsten Werke Fingers.

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) ist vor allem als Geigenvirtuose bekannt. Er war aber auch Gambist und als solcher vermutlich der erste Lehrer Gottfried Fingers im mährischen Olmütz. Auf jeden Fall ist er als kompositorisches Vorbild in Fingers Musik deutlich zu hören. Da Finger - wie wir wissen - Violinsonaten für die Viola da Gamba transkribiert hat, liegt die Vermutung nahe, dass Finger auch die großartige Musik Bibers auf der Viola da Gamba gespielt haben könnte. Bibers 4. Rosenkranzsonate - eine Ciacona genannte Aria mit Variationen - stellt die Präsentation des jungen Jesu im Tempel dar.


Marin Marais (1656-1728), „ein unvergleichlicher französischer Violdigambist zu Paris, dessen Wercke in ganz Europa bekannt sind“ war der Lieblingsgambist des französischen Sonnenkönigs Louis XIV. und wahrscheinlich der bedeutendste Komponist für die Viola da Gamba überhaupt. Ein Gambenvirtuose von Fingers Rang muss Marais Werke gekannt haben. Finger interessierte sich durchaus für französische Musik: in seiner Notenbibliothek befanden sich u.a. Werke Couperins. Er verwendete außerdem ein Bassmodell aus einer Arie des großen französischen Komponisten Lully als Vorlage für seine Divisions in g. Dieses Bassmodell war im damaligen England sehr populär und wurde auch von anderen Komponisten übernommen, darunter auch von Fingers Freund Henry Purcell.


Arcangelo Corelli (1653 – 1713) gehört sicher zu den einflussreichsten Komponisten um 1700. Besonders seine Violinsonaten op.5 galten als bahnbrechend und waren ungeheuer populär, nicht nur unter Geigern, wie verschiedene zeitgenössische Transkriptionen zeigen. Die Gambenversion entstand wahrscheinlich zu Beginn des 18.Jh. in England. Finger wurde öfter als möglicher Autor genannt. Der hohe Schwierigkeitsgrad lässt jedenfalls einen sehr virtuosen Gambisten als Urheber vermuten.


In seiner Sonata Seconda zeigt Finger schließlich eine Synthese dieser verschiedenen Stile: Nach einem aufwändigen Prelude im Stylus fantasticus und einer Aria mit Variationen im Stile Bibers leitet eine weitere fantasticus-ähnliche Passage mit einer Kette hochexpressiver Vorhalte, wie sie auch Corelli verwendet haben könnte, zu einem sehr französischen Abschnitt, der eine Chaconne hätte werden können. Daran schließt sich unmittelbar der wieder sehr italienisch anmutende Schlusssatz nach Art einer Gigue an.

KONTAKTIEREN SIE UNS

FOLGEN SIE UNS

© Alle Rechte vorbehalten